California Dreaming?!

Die vergangenen 3 Wochen reisen wir entlang der Küste – von Vancouver bis Los Angeles. Wir haben viele schöne Erlebnisse, aber auch eine besonders unheimliche Begegnung. Aber der Reihe nach..

Zunächst einmal treffen wir Daniels Eltern in Vancouver und die Freude ist groß. Sie haben sich einen “Wicked Camper” gemietet. Weil alle anderen “normalen” Wohnmobile schon ausgebucht oder zu groß waren, blieb nur noch diese Option. Wicked Campers sind mit Graffiti besprühte und umgebaute Vans, hinten mit Matratze zum Schlafen und einer kleinen Küche ausgestattet. Eigentlich für Backpacker gedacht, aber Opa und Oma fühlen sich wohl darin!

Zuerst fahren wir in den Olympic Nationalpark. Hier liegt der regenreichste Punkt der USA, dementsprechend grün und vermoost ist der Nebel- und Regenwald. Für uns scheint dort aber die Sonne, was besonders Marie freut, denn sie feiert dort ihren 5. Geburtstag.

Auf der Weiterfahrt durch die Bundesstaaten Washington und Oregon entlang der Küste ist es dann meistens sehr nebelig und kühl. Hätten wir vorher mal besser den Reiseführer gelesen, denn dies ist typtisch ist für diese Gegend und Jahreszeit. Zum Glück ist es weiter im Landesinneren schön warm und mit ein paar ungeplanten Mehr-Kilometern haben wir im Columbia River Gorge und im Crater Lake Nationalpark ein paar schöne Tage.

Die Küste hat uns dann in Kalifornien wieder, wo unzählige State- und Nationalparks die berühmten Redwood-Bestände vor Abholzung schützen. Die Redwoods sind die höchsten Bäume der Welt, viele sind über 100m hoch!

Als wir den ersten Statepark durchfahren, wir sind eigentlich auf der Suche nach einem Campingplatz, sehen wir einen Waldweg, der von der Hauptstraße abzweigt und der zu einem kleinen Parkplatz führt, von wo aus man durch die Redwoods spazieren kann. Das wollen wir spontan noch tun. Wir fahren um eine Kurve den Waldweg entlang. Zur Linken und zur Rechten türmen sich die riesigen Mammutbäume und es ist bereits etwas dämmrig und nebelig. Plötzlich liegt am Wegesrand eine Person auf dem Boden, daneben steht ein aufgebrachtes junges Pärchen. Vollbremsung. Scheibe erstmal runter. Die Frau ist an Händen und Füßen gefesselt, die Kleidung ist halb vom Laib gerissen, ein Schuh fehlt, Blut im Gesicht, Schreie. Das Pärchen steht daneben, er ausgerüstet mit Bärenspray (die es hier gibt), sie bereits das Handy am Ohr. Notruf? Oder eine Falle? Für uns?! Doch der gesunde Menschenverstand sagt schnell, dass hier wirklich jemand Hilfe benötigt. Außerdem sind wir zu viert, denn Daniels Eltern sind ebenfalls in ihrem Van hinter uns. Die junge Frau mit dem Handy am Ohr fragt die Frau am Boden, ob wir “es” waren.. Dann kommt sie zu uns gerannt, fragt, ob wir wüssten, wo wir genau wären. Alex weiß den Straßennamen zum Glück noch. Ob wir ein Messer hätten, werden wir gefragt, für die Fesseln. Als Alex damit zur misshandelten Frau geht und diese das Messer sieht, zuckt sie zusammen und schreit. Oh Gott, was ist nur mit ihr passiert, fragen wir uns..

Die Polizei erscheint kurze Zeit später. Wir erfahren an dem Abend nicht mehr viel. Geben uns aber kurz zu Protokoll und bitten wegen unserer Kinder gehen zu dürfen. Die sind zum Glück die ganze Zeit in unserem Bus geblieben, nur Marie hat die Frau kurz gesehen. Als wir aus dem Wald herausfahren, sehen wir nur Blaulichtgewitter uns entgegenfahren.

Am nächsten Morgen, wir sind auf den Campingplatz gelandet, auf dem auch das junge Päärchen übernachtet, dort erfahren wir dann alles. Auch die Polizei erscheint wieder, um uns bzw. das Päärchen noch einmal zu vernehmen. Sie sind die Hauptzeugen. Die misshandelte Frau hat per Anhalter eine andere Frau mit Baby mitnehmen wollen. In dem Moment, als  die Anhalterin einsteigt springen zwei weitere Männer aus dem Gebüsch, die offensichtlich zu der Frau mit Baby gehören, denn sie nennt einen der Namen der Männer. Die Männer nehmen die Frau in Gewalt, zwingen sie in den Waldweg einzubiegen. Dort wird sie misshandelt, gefesselt und die Täter versuchen sie zu vergewaltigen. Anschließend flüchten sie mit dem Auto der Frau.

Der Schock sitzt bei uns erst einmal für einige Tage.

In San Francisco verbringen wir nur einen halben Tag und machen kurz Halt an den Touri-Punkten: Golden Gate Bridge, Lombard Street, Pier 39. Nachmittags sind wir dann zu einem Kindergeburtstag eingeladen. Wir treffen alte Kita-Bekannte aus der Kölner Südstadt wieder. Sie leben bereits seit fast 4 Jahren in San Francisco und weil sich auf dem Geburtstag auch viele andere Deutsche tummeln, freuen sich Marie und Emil nicht nur mit ihnen zu spielen, sondern sie auch zu verstehen!